Digitale Souveränität im E-Commerce: Warum Cloud-Abhängigkeit zum strategischen Risiko wird

Ali Pirouz

Die Cloud hat E-Commerce demokratisiert. Noch nie war es so einfach, einen Online-Shop zu starten. Shopify, AWS, Klaviyo – mit wenigen Klicks steht die Infrastruktur. Schnell, skalierbar, scheinbar sorgenfrei.

Doch was als Freiheit begann, wird für wachsende Unternehmen zunehmend zur Falle. Denn hinter der Convenience-Fassade verbirgt sich eine unbequeme Wahrheit: 94% der deutschen E-Commerce-Unternehmen haben die Kontrolle über ihre kritische Infrastruktur an US-amerikanische Tech-Konzerne abgegeben.

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Problem

Die Illusion der Cloud-Freiheit

Stell dir vor: Deine Kundendaten liegen auf AWS-Servern in Virginia. Dein Checkout läuft über Shopify – ein kanadisches Unternehmen, das vollständig auf Google Cloud Platform setzt. Deine Email-Marketing-Daten bei Klaviyo in den USA. Deine Analytics bei Segment.

Das klingt nach moderner, verteilter Architektur. Tatsächlich ist es totale Abhängigkeit.

Das Problem ist nicht die Cloud an sich. Das Problem ist der Kontrollverlust.

Risiko

Was niemand über die Cloud erzählt

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Der US CLOUD Act erlaubt US-Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen – weltweit. Auch wenn die Server in Frankfurt stehen. Auch wenn der Kunde aus Deutschland ist. Auch ohne deutsche Gerichte.

Die geografische Server-Location schützt nicht vor Zugriff, solange der Cloud-Provider US-amerikanisch ist.

Die EU eEvidence-Verordnung geht noch weiter: Ausländische Behörden können direkt bei Cloud-Providern Daten anfordern. Der Provider muss binnen 10 Tagen antworten. Du als Kunde wirst nicht informiert. Kein Rechtsweg. Keine Kontrolle.

Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Gesetzeslage seit 2018 (CLOUD Act) bzw. 2023 (eEvidence).

Geschäftsschädigend

Wenn Compliance zum Geschäftskiller wird

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Ein mittelständischer B2B-Händler kam mit 8 Millionen Euro Jahresumsatz zu uns. Die Infrastruktur: vollständig auf US-Cloud-Providern.

  • Shop auf Shopify Plus: 2.000€/Monat
  • CRM bei Salesforce: 450€/User/Monat für 12 User
  • Email-Marketing bei Klaviyo: 1.200€/Monat
  • Analytics bei Segment: 800€/Monat

9.800€ monatlich – nur für Infrastruktur, die ihnen nicht gehört.

Realität

Der Kipppunkt

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Ein DAX-Unternehmen wollte B2B-Kunde werden. Potenzial: 2 Millionen Euro Umsatz. Die Compliance-Anforderung war eindeutig:

"Wir brauchen Bestätigung, dass unsere B2B-Bestelldaten ausschließlich in EU-Rechenzentren verarbeitet werden – von Unternehmen ohne US-Jurisdiktion."

Das Problem:

  • Shopify nutzt Google Cloud Platform (US-Unternehmen)
  • Selbst bei EU-Rechenzentren greift der US CLOUD Act
  • AWS-Backups liegen weltweit verteilt
  • Die Kontrolle lag bei den US-Providern, nicht beim Händler

Ergebnis: Projekt-Stopp. 2 Millionen Euro Umsatz verloren.

Erst kamen die DSGVO-Anfragen von Kunden: "Wo genau liegen meine Daten?" Die Antwort "Bei US-Cloud-Providern mit globalen Rechenzentren, aber wir haben SCCs..." reichte nicht mehr.

Kosten

Die versteckten Kosten der Cloud-Abhängigkeit

Vendor Lock-in ist ein perfides Geschäftsmodell:

Verlockender Einstieg: Kostenlose oder günstige Startpreise. "Migration? Total einfach!"

Schleichende Verflechtung: Du baust dein Business auf der Plattform auf. Daten, Prozesse, Integrationen verweben sich tief.

Die Falle schnappt zu: Preiserhöhungen. Neue Feature-Gates. Geänderte AGB.

Gefangen: "Ausstieg? Kostet dich 6-12 Monate und sechsstellige Beträge."

Du bist nicht durch Verträge gefangen. Du bist durch Abhängigkeit gefangen.

Was passiert, wenn...

  • AWS einen Outage hat? Dein Shop ist offline.
  • Shopify die AGB ändert? Du musst zustimmen oder wechseln.
  • Dein Cloud-Provider von einem Konzern gekauft wird? Deine Daten gehören jetzt jemand anderem.
  • Geopolitische Spannungen eskalieren? Dein Zugang kann eingeschränkt werden.
  • Dein Provider die Preise verdoppelt? Du zahlst oder migrierst – beides kostet.

Du hast keine Kontrolle. Du hast nur ein Service Level Agreement.

Alternative

Der Weg zur digitalen Souveränität

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Für den B2B-Händler entwickelten wir eine Lösung mit vollständiger Migration auf EU-basierte Infrastruktur:

  • E-Commerce-Plattform auf eigenen Servern in Deutschland
  • CRM-Daten in deutschem Rechenzentrum
  • Email-Marketing mit EU-Lösung
  • Komplette Datenhoheit

Die Zahlen

Kosten:

  • Einmalige Migration: 45.000€
  • Monatliche Server-Kosten: 800€
  • Keine App-Gebühren. Keine Vendor-Erhöhungen. Keine Compliance-Risiken.

ROI: 12 Monate

Das Ergebnis:

  • Der DAX-Deal ging durch
  • Weitere Enterprise-Kunden folgten – weil
  • Compliance garantiert war
  • Kosteneinsparung nach 2 Jahren: 180.000€
  • Volle Kontrolle über alle Daten

Das Paradoxe: Die Cloud sollte Freiheit bringen. Stattdessen hat sie neue Abhängigkeiten geschaffen.

Must have

Ab wann wird digitale Souveränität unverzichtbar?

Die unbequeme Wahrheit: Digitale Souveränität kostet – am Anfang.

  • Eigene Infrastruktur ist teurer als AWS – am Anfang.
  • Self-Hosting ist komplexer als SaaS – am Anfang.
  • Kontrolle erfordert Investment – am Anfang.

Aber langfristig?

  • Keine Vendor-Lock-ins
  • Keine Preisexplosionen
  • Keine Compliance-Risiken
  • Keine Abhängigkeit von US-Konzernen
  • Volle Kontrolle über Ihre Geschäftsdaten

Know-how

Unsere These:

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Bei B2B ab 5 Millionen Euro Umsatz wird Cloud-Abhängigkeit zum strategischen Risiko.

Bei B2C ab 10 Millionen Euro.

Ab dieser Größe können Sie es sich nicht mehr leisten, Ihre kritische Infrastruktur vollständig auszulagern.


Die Fragen, die du dir stellen solltest, w
enn du 5+ Millionen Euro Jahresumsatz machst:

  1. Wo liegen meine kritischen Daten wirklich?
  2. Wer hat Zugriff – auch ohne meine Zustimmung?
  3. Was passiert, wenn mein Cloud-Provider morgen die Preise verdoppelt?
  4. Kann ich mein Business innerhalb von 48 Stunden auf eine andere Infrastruktur migrieren?
  5. Welche Enterprise-Kunden verliere ich potenziell durch mangelnde Compliance?

Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen "weiß nicht" lautet – hast du ein strategisches Risiko.

Management

Digitale Souveränität ist Risk Management

Infrastruktur ist Macht. Wer die Server kontrolliert, kontrolliert den Zugang. Wer den Zugang kontrolliert, kontrolliert die Daten. Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert das Business.

Je erfolgreicher dein Unternehmen, desto risikoreicher wird Cloud-Abhängigkeit.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann du Kontrolle über deine kritische Infrastruktur zurückgewinnst.

Wir

Wie BLISH hilft

Bei BLISH entwickeln wir E-Commerce-Lösungen auf Basis von Open-Source-Technologien, die Ihnen gehören:

  • Alchemy CMS für Content Management mit voller Kontrolle
  • Solidus für E-Commerce ohne Vendor-Lock-in
  • Hosting in deutschen oder EU-Rechenzentren
  • Vollständige Datenhoheit
  • Keine versteckten Kosten oder Feature-Gates

 

Wir sind Lead Maintainer in Europa für beide Plattformen. Unsere Entwickler tragen zum Core-Code bei. Du erhältst nicht nur Software, sondern direkten Zugang zum Entwicklungsteam.

Unsere Kunden

Unternehmen wie brand eins und ZDF Digital setzen auf unsere Lösungen – weil sie Kontrolle, Sicherheit und Skalierbarkeit vereinen.

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