Open Source E-Commerce Shopify
Wann Shopify vom Beschleuniger zur Bremse wird
Shopify ist nicht der Feind. Das muss am Anfang stehen, damit wir uns richtig verstehen.
Für Standard-E-Commerce ohne besondere Anforderungen ist Shopify die beste Wahl: Schnell aufgesetzt, günstig im Einstieg, funktioniert out-of-the-box. Tausende erfolgreiche Shops beweisen das täglich.
Aber es gibt einen Punkt, an dem erfolgreiche Shops merken: Die Plattform, die uns groß gemacht hat, passt nicht mehr zu dem, was wir geworden sind. Nicht weil Shopify schlecht wäre – sondern weil es für einen anderen Use Case gebaut wurde.
Phase 1
Start – Shopify ist perfekt
Du brauchst schnell einen funktionierenden Shop. Vielleicht testest du eine Geschäftsidee. Vielleicht willst du einfach online verkaufen ohne monatelang an Technik zu arbeiten.
Shopify liefert: Theme installieren, Produkte hochladen, Payment aktivieren – fertig. Innerhalb von Tagen bist du online. Der App Store hat für jedes Feature eine Lösung. Keine Server-Verwaltung, keine Updates, kein DevOps. Support der antwortet.
Bei 0 bis 500.000 Euro Jahresumsatz und einem kleinen Team merkst du nichts von den Limitierungen. Sie fallen nicht auf, weil deine Anforderungen Standard sind. Shopify funktioniert genau wie versprochen.
Phase 2
Wachstum – Erste Limitierungen werden sichtbar
Dein Shop läuft. Jetzt willst du optimieren und dich differenzieren. Hier beginnen die Reibungen.
Checkout ist gesperrt. Du willst A/B-Tests im Checkout? Custom-Fields für Lieferdatum? Alternative Payment-Flows? Realität: Checkout-Anpassungen sind nur auf Shopify Plus möglich – ab 2.000 Euro monatlich. Und selbst dort stark eingeschränkt seit August 2025, als checkout.liquid deprecated wurde. Custom-Fields nur über Apps möglich, wieder extra Kosten. Shop Pay oder Custom Checkout – nicht beides gleichzeitig.
App-Subscriptions explodieren. Jedes Feature kostet extra: Email-Marketing 80 bis 200 Euro monatlich, Retouren-Management 50 bis 100 Euro, Abo-Commerce 99 bis 499 Euro, B2B-Features 300 Euro und mehr. Nach zwei Jahren zahlst du 600 bis 1.000 Euro monatlich für Features, die in anderen Plattformen Standard wären.
Liquid Templates sind eine Sackgasse. Du versuchst, Custom-Logik ins Theme zu bauen. Aber Liquid ist limitiert: keine komplexen Berechnungen, keine externe API-Calls. Theme-Updates überschreiben deine Änderungen. Custom-Code ist nicht portabel – gebunden an Shopify.
Bei 500.000 bis 3 Millionen Euro Jahresumsatz und einem wachsenden Team merkst du: Viele deiner Custom-Anforderungen enden mit "Shopify erlaubt das nicht" – egal wie viel Budget du hast.
Phase3
Skalierung – Vendor Lock-in wird spürbar
Dein Shop ist erfolgreich. Aber jetzt wird klar: Du bist gefangen.
Plattform-Gebühren skalieren mit deinem Erfolg. Bei 3 Millionen Euro Jahresumsatz zahlst du an Shopify Plus: 27.600 Euro Basis-Gebühren, variable Fees ab 800.000 Euro monatlich, Transaction Fees bei externen Gateways, App-Subscriptions. Gesamt: 40.000 bis 60.000 Euro jährlich – und die Zahl steigt mit jedem Euro Umsatz.
Datenportabilität ist Illusion. Shopify verspricht: "Deine Daten gehören dir – exportiere sie jederzeit." Die Realität: Produkt-CSV bekommst du, Kunden-Daten auch. Aber App-Daten bleiben in den Apps. Custom Metafields sind teilweise exportierbar. Shopify Flow Automations bleiben in Shopify. Theme-Customizations in Liquid-Code sind nicht portabel. Ein Wechsel zu einer anderen Plattform bedeutet: Große Teile deines Systems von vorne bauen.
Dein Geschäftsmodell passt nicht mehr. Dein Business ist komplexer geworden: B2B und B2C gleichzeitig, Custom-Pricing-Rules, komplexe Integrationen mit ERP, PIM, Warehouse-Systems, internationale Markets mit unterschiedlichen Workflows. Shopify ist für Standard-Retail gebaut. Dein Geschäftsmodell ist es nicht mehr.
Die Ausstiegskosten sind so hoch, dass du gefangen bist. Migration würde bedeuten: Workflows neu bauen, Apps ersetzen, Team umschulen, Kunden-Experience unterbrechen. Vendor Lock-in ist keine technische Beschränkung – es ist wirtschaftliche Realität.
Learning
Was wir daraus gelernt haben.
Der Break-Even liegt bei 1 bis 2 Millionen Euro Umsatz und Custom-Anforderungen. Beide Faktoren müssen zutreffen: Umsatz und Komplexität. Solange dein Geschäftsmodell standardisiert ist, bleibt Shopify die beste Wahl.
Aber sobald dein Geschäftsmodell unique wird – komplexe B2B-Rules, Custom-Workflows, spezifische Integrationen – wird Shopify zum Hindernis. Dann kämpfst du für jede Custom-Anforderung gegen die Plattform statt mit ihr zu arbeiten.
Solution
Die Alternative: Eine Plattform, die dir gehört
Open Source bedeutet: Du besitzt die Plattform, nicht umgekehrt.
Vollständige Checkout-Kontrolle ohne Limits. A/B-Testing jeder Hypothese. Custom-Fields, Multi-Step, Progressive-Disclosure. Zero App-Gebühren – Features in Code statt Subscriptions. Datenbesitz: Git-Repository mit Source-Code, PostgreSQL-Datenbank mit direktem Zugriff, API-first Architecture, Self-hosted auf eigener Infrastruktur. B2B und B2C vereint in einem System.
Aber: Self-hosted bedeutet Verantwortung – und das ist Feature, kein Bug. Mit Shopify ist Uptime Shopifys Problem. Mit Self-hosted ist es deins. Das heißt: Monitoring, Backups, Security-Updates, Performance-Tuning. Aber es heißt auch: Du kontrollierst Black-Friday-Traffic, du entscheidest über Deployment-Zeiten, du kannst debuggen ohne Support-Ticket.
Für Unternehmen mit Tech-Team ist das Empowerment. Für Unternehmen ohne Tech-Kapazität ist das Überforderung. Ehrlichkeit vor Verkauf.
Migration von Shopify ist machbar – aber kein Wochenend-Projekt. Produkt-Daten migrieren: Easy. Kunden-Accounts: Medium. Order-History: Komplex. Theme-Design nachbauen: Zeitaufwand. App-Funktionalität reproduzieren: Custom-Development. Realistische Timeline: 3 bis 6 Monate für vollständige Migration inklusive Testing.
Aber: Nach der Migration gehört das System dir – und jede weitere Anforderung ist Development, nicht Politik.
Fazit
Shopify ist brilliant – für den richtigen Use Case
Es geht nicht darum, Shopify schlecht zu reden. Es geht darum zu erkennen, wann eine Plattform nicht mehr passt – und wann Ownership die bessere Investition ist als Subscription.
Wenn Shopify dich mit App-Kosten oder Platform-Limits ausbremst – und du bereit bist, in echtes Tech-Ownership zu investieren – dann ist es Zeit für ein Gespräch.
Wir bauen keine Shopify-Clones, sondern E-Commerce-Systeme die zu deinem Geschäftsmodell passen.
Der Weg zu uns
Let's talk
In welcher Phase steckst du?
Wenn du merkst, dass die Plattform nicht mehr zu deinem Geschäftsmodell passt, lass uns reden.
Quellen
- Shopify Help Center, "Customizing payment methods and delivery options" – "Advanced checkout customization features available only on Shopify Plus plan."
- Shopify Help Center, "Upgrading Thank you and Order status pages" – "August 28, 2025: checkout.liquid and additional scripts shut down completely on Thank You and Order Status pages."
- Black Belt Commerce, "Shopify Plus Customize Checkout Guide 2025" – "Merchants forced to choose between highly customized checkout and Shop Pay."
- Commerce UI, "New Shopify Checkout – Upgrading to Checkout Extensibility" – "checkout.liquid allowed deep customization but shifted maintenance burden to merchant."
- Digital Position, "Shopify Checkout Extensibility Deadline" – "Final sunset date August 28, 2025."
- GemPages, "How to Customize Shopify Checkout" – "Basic plans can only do visual customizations through theme settings."